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Digitale Therapiekontrolle: Herausforderungen, Trends und Lösungen

SCHREINER MEDIPHARM

Digitale Therapiekontrolle: Herausforderungen, Trends und Lösungen

Schreiner MediPharm und die AARDEX Group ergänzen sich mit ihren speziellen Kompetenzen perfekt und verfolgen mit ihrer smarten Lösung zur digitalen Therapiekontrolle ein Ziel: die Erhöhung der Therapietreue insbesondere in klinischen Studien. Denn wenn sich an der Studie beteiligte Patienten nicht an das vom Pharmahersteller festgelegte Dosierungsschema halten, kann das gravierende Folgen haben – etwa eine unzureichend belegte Wirksamkeit des Medikaments oder eine unterschätzte Häufigkeit von Nebenwirkungen. Was die digitale Lösung zur Therapiekontrolle leisten kann und warum sie aktuellen und zukünftigen Trends entspricht, erzählen Stefan Wiedemann von Schreiner MediPharm und Bernard Vrijens von AARDEX.

Wie funktioniert die smarte Lösung zur Therapieüberwachung von Schreiner MediPharm und AARDEX?

Stefan Wiedemann (SW): Ganz einfach gesagt ist dies eine intelligente Arzneimittelverpackung, die mit einer passenden Software verknüpft ist.  Blisterverpackungen für Tabletten werden mit integrierter Elektronik und Sensortechnologie ausgestattet. Der Patient drückt wie gewohnt seine Tablette aus der Kavität. Über die Elektronik werden Echtzeitdaten generiert, zum Beispiel Entnahmezeitpunkt, Entnahmefach und Dosis, diese automatisch in der Verpackung gespeichert und via Smartphone-App oder Reader an eine Datenbank übertragen. Eine spezielle Software dient dann dazu, die Daten zu analysieren.

Stefan Wiedemann, Senior Director Strategic Marketing & Business Development bei Schreiner MediPharm

Wie können digitale Tools die Einnahmetreue der Medikationsvorgaben für Patienten verbessern?

Bernard Vrijens (BV): Um zu verstehen, welchen konkreten Einfluss die digitalen „Adherence Monitoring Tools“ auf die Patienten haben, muss man die Auswirkungen mangelhafter Therapietreue auf die forschende Industrie betrachten. Sowohl für die Medikamentenentwickler als auch die Patienten steht sehr viel auf dem Spiel. Wenn Patienten ihre Medikamente nicht wie verordnet einnehmen, kann das lebensverändernde oder sogar lebensbedrohende Folgen haben. Traditionelle, nicht-digitale Methoden zur Überwachung der Therapietreue, wie das Zählen von Tabletten und Selbstauskünfte, berücksichtigen keine Komplikationen. Sie sind subjektiv, anfällig für Verzerrungen und liefern lediglich eine Momentaufnahme des Einnahmeverhaltens. Darüber hinaus stellen die analogen Methoden für die Patienten und das Personal am Studienstandort eine zusätzliche Belastung dar, was den Nutzen mindert. Nicht so bei der digitalen Therapieüberwachung: Sie bietet einen ganzheitlichen Rahmen, der individualisierte Interventionen ermöglicht – selbst in Therapiebereichen mit notorisch schlechten Therapietreueraten, wie zum Beispiel in der Onkologie und Psychiatrie. Darüber hinaus ist dieser Ansatz für Patienten reibungslos – sie werden lediglich gebeten, ihre Medikamente einzunehmen.

Bernard Vrijens, Co-CEO & Scientific Lead bei der AARDEX Group

Was sind mögliche Nachteile/Herausforderungen bei Lösungen der digitalen Therapietreueüberwachung und wie können diese überwunden werden?

BV: Historisch betrachtet ist Therapietreue ein bekanntes, aber dennoch außer Acht gelassenes Problem. Und dann gibt es einen Mythos, der dieses Problem antreibt: Viele wissen, dass mangelhafte Therapietreue in der Praxis häufig vorkommt, glauben aber, dass sie in klinischen Studien gut sei. Wir wissen, dass dies nicht der Fall ist. Die Therapietreue ist generell mangelhaft. Hinzu kommt, dass einige Sponsoren vielleicht nicht einmal erkennen, dass sie in ihren Studien ein Problem bezüglich fehlender Therapietreue haben. Das liegt daran, dass das, was nicht gemessen wird, auch nicht gemanagt werden kann. Dies stellt eine Herausforderung dar – und zwar eine, die wir tatsächlich ganz einfach angehen können. Unser Ansatz des Therapietreuemanagements ist evidenzbasiert. Eine weitere Herausforderung für Sponsoren ist der Prozess des Veränderungsmanagements und die vermeintliche Komplexität, solche Lösungen umzusetzen. Diese Herausforderung besteht nicht ausschließlich im Hinblick auf die Technologie des Therapietreuemanagements. Sie tritt üblicherweise in Branchen auf, die hochreguliert sind.

SW: Und eben diese Herausforderungen kann die von uns entwickelte Komplettlösung zur digitalen Therapiesteuerung in klinischen Studien überwinden. Sie ermöglicht es, Vorgaben und Dosierungsschemata bei der Arzneimittelentwicklung gemäß den vorgeschlagenen Studienprotokollen der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) exakt einzuhalten. Ebenso kann unser digitales Tool strukturelle Mängel aufdecken und wichtige Daten zum Patientenverhalten sammeln. Diese können dann wiederum für Vermarktungsstrategien herangezogen werden.

Was ist die Kernkompetenz von AARDEX und das Besondere der AARDEX MEMS® Adherence Software?

BV: Was gemessen wird, kann gemanagt werden. Genau das liefert die AARDEX® Group. Wir haben unser Ökosystem bewusst auf Partner ausgeweitet, um sicherzustellen, dass wir über ein Mittel verfügen, das das Therapietreueverhalten erfassen kann – unabhängig vom Verabreichungsweg. Die Datenerfassung ist aber nur ein Aspekt. Der tatsächliche Wert der Adherence Software MEMS AS® liegt in den statistischen Algorithmen und der Verhaltensanalyse, die dieser Lösung zugrunde liegen. Die enthaltenen Funktionen zur Datenverarbeitung machen weitere statistische Analysen überflüssig, denn das Tool leistet all dies automatisch. Die Analysen der Einnahmetreue werden komfortabel als Dashboard-Visualisierungen dargestellt, die auf Patienten-, Standort- und Studienebene interpretiert werden können. Die Prüfer können leicht auf diese Dashboards zugreifen und erhalten Informationen, um eine Risikostratifizierung und -prävention voranzutreiben. Darüber hinaus ist das Produkt plattformunabhängig und kann in die Interactive Response Technology (IRT), Electronic Data Capture (EDC) sowie Decentralized Clinical Trials (DCT) integriert werden.

Was ist für Aardex der größte Vorteil in der Zusammenarbeit mit Schreiner MediPharm?

BV: Die Partnerschaft mit Schreiner MediPharm ermöglicht uns eine weitere Stärkung unseres Ökosystems zusammen mit einem soliden Partner für smarte Blister. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Effizienz in der Medikamtenentwicklung zu steigern. Das gelingt uns, indem wir Verpackungen zur Datengenerierung und End-to-End-Lösungen für die digitale Verwaltung der Medikamenteneinhaltung anbieten. Dadurch werden wir im Zuge des kontinuierlichen Wandels der Branche hin zur Digitalisierung sehr erfolgreich sein. Zudem ist Schreiner MediPharm ein wichtiger Player in diesem Bereich, der nachweislich qualitative Lösungen auf einem hohen Standard bietet.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Trends im Bereich „Clinical Trial Management“?

BV: Seit Jahrzehnten setzt die forschende Industrie auf das traditionelle Studienmodell, das überwiegend ortsgebunden aufgesetzt war und damit persönliche Besuche und Überwachungstätigkeiten erforderte. Dies lag vor allem daran, dass viele Sponsoren nach wie vor papierbasierte Systeme nutzten. Der Ausbruch der Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, um die Zahl der Infektionen zu verringern, gaben der Industrie den Anstoß zum Wandel: Während einige Sponsoren ihre Studien unterbrechen mussten, nutzten andere Technologien, um die Kontinuität ihrer Studien sicherzustellen. Während dieser Zeit hat die Industrie die Vorteile der Fernüberwachung erkannt – nicht nur für die Forschenden selbst, sondern auch für die Studienteilnehmer. Dies hat zu einem sprunghaften Anstieg der Fernüberwachung geführt und die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA dazu veranlasst, einen Leitfadens für den Einsatz digitaler Gesundheitstechnologien in klinischen Studien zu entwerfen und zu veröffentlichen. Ich bin überzeugt, dass dieser Leitfadenentwurf den Eindruck dessen, was die Quelldatenverifizierung (Source Data Verification – SDV) darstellt – nämlich ein antiquiertes Verfahren –verfestigen wird und dass der Einsatz von digitalen Gesundheitstechnologien und Fernüberwachungstechnologien rapide zunehmen wird.

Wie können diese digitalen Tools aktuellen und zukünftigen Trends gerecht werden?

BV: Der Einsatz digitaler Gesundheitstechnologien (Digital Health Technologies – DHT) im Bereich der klinischen Forschung nimmt rapide zu. Im Gespräch über die Dezentralisierung von Studien wurde David Burrow, der Leiter des FDA Office of Scientific Investigations (FDA-Büro für wissenschaftliche Studien) zitiert, dass diese „von Dauer seien“. Zusammen mit dem kürzlich veröffentlichten FDA-Entwurf des DHT-Leitfadens wird dies eine katalytische Wirkung auf die laufende Veränderung der Branche hin zur Digitalisierung haben. Mit der Verringerung oder gar dem Wegfall von Studienstandortbesuchen könnte dieses Modell jedoch ein Problem für Sponsoren darstellen, die auf traditionelle Methoden zur Überwachung der Therapietreue, Blutentnahmen usw. setzen. „Digital Adherence Monitoring“ überbrückt diese Lücke, indem sie das Medikamenteneinnahmeverhalten der Patienten kontinuierlich aus der Ferne überwacht.

Wie profitieren nun die Pharmahersteller von der Partnerschaft zwischen Schreiner MediPharm und AARDEX ganz konkret?

SW: In unserer Kooperation verbinden wir die fundierte Expertise aus Druck- und Verpackungstechnologie von Schreiner MediPharm mit der IT-Intelligenz von AARDEX. Der Pharmahersteller bzw. CMO erhält von uns ein Wallet inklusive der gedruckten Elektronik und muss nur noch den Blister integrieren. Seine Produktionsprozesse bleiben unverändert. Ein großer Vorteil ist dabei die Flexibilität, die wir ihm bieten können: Unsere Technologie lässt sich aufgrund des Rolle-zu-Rolle-Verfahren von kleinen Mengen bis hin zur Großserienfertigung skalieren. So können Pharmahersteller das Potenzial der Lösung zur digitalen Therapietreue bei klinischen Studien voll ausschöpfen und auch im kommerziellen Bereich nutzen.